Entwicklung zum modernen und ansprechenden Kurort
Bad Urach Mit einem bunten Jubiläumsprogramm feierte Bad Urach im Jahr 2008 sein 25-jähriges Bestehen als Heilbad. Seit 1. Juli 1983 darf die ehemalige Residenzstadt im Ermstal am Fuße der Schwäbischen Alb den Zusatz „Bad“ offiziell im Namen führen. Aus dem staatlich anerkannten Luftkurort Urach war das Heilbad Bad Urach geworden.
Um das Prädikat „Heilbad“ verliehen zu bekommen, müssen die jeweiligen Kurorte bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Grundlage dafür sind die „Begriffsbestimmungen Qualitätstandards für die Prädikatisierung von Kurorten“ des Deutschen Tourismusverbandes e.V. und des Deutschen Heilbäderverbandes e.V. Die Zuständigkeit für die Anerkennung von Heilbädern liegt beim Wirtschaftsministerium, zumal dies als ein wichtiger Aspekt in der Tourismuspolitik des Landes gilt. Neben medizinisch-therapeutischen Faktoren spielen zum Beispiel auch das Erscheinungsbild des Ortes, Landschaft, Freizeitmöglichkeiten, das gastronomische Angebot sowie behindertengerechte Einrichtungen eine Rolle. Kriterien, die Bad Urach allesamt erfüllte und erfüllt:
Medizinisch-therapeutische Kompetenz
Die hyperthermalen Mineralquellen von Bad Urach mit einer Quelltemperatur von 61 Grad (und damit einer der wärmsten Quellen in Baden Württemberg) speisen das Innen- und Außenbecken (Wassertemperaturen 32 bis 38 Grad) der Albthermen, ein großzügiger und ansprechend gestalteter Kurpark lädt zum Verweilen und Erholen ein, das Kurmittelhaus, die Fachkliniken Hohenurach sowie das Gesundheits- und Rehazentrum Schwäbische Alb runden das Gesundheits- und Wellnessangebot in Bad Urach ab. Die medizinisch-therapeutische Kompetenz ermöglicht ein breitgefächertes Behandlungs- und Rehabilitationsspektrum für orthopädische, neurologische und innere Erkrankungen sowie für Geriatrie. Rund 8000 Patienten werden jährlich stationär und ambulant behandelt.
Historische Altstadt / kulturelles Leben
Durch den Bau einer Ortsumfahrung konnte die historische Altstadt fußgängerfreundlich gestaltet werden. In der ehemaligen Residenzstadt der Grafen von Württemberg-Urach, unter ihnen der Gründer der Tübinger Universität, Eberhard im Barte, zeugen ursprüngliche Fachwerkhäuser, der historische Marktplatz mit spätgotischem Brunnen, das Residenzschloss mit Innenräumen aus der Zeit der Gotik, der Renaissance und des Barock, die Webervorstadt oder die spätgotische Stiftskirche vom Glanz der Vergangenheit. Museen und Veranstaltungen wie der Uracher Schäferlauf, der alle zwei Jahre stattfindet, oder das Kurpark- und Stadtfest bereichern das kulturelle Leben des Kurorts.
Ansprechende Landschaft
Nicht zuletzt die Lage am Fuß der Mittleren Schwäbischen Alb machen das Städtchen mit den 12400 Einwohnern zu einem beliebten Kur- und Ausflugsort. Ein Wander- und Radwegenetz mit einer Länge von rund 200 Kilometern führt durch beeindruckende Landschaft zu den schönsten Wanderzielen, zum Beispiel zu den Festungsruinen Hohenurach und Hohenwittlingen oder zu den Uracher Wasserfällen. Zudem liegt Bad Urach inmitten des künftigen UNESCO-Biosphärengebiets Schwäbische Alb, einer von Wacholderheiden und Hangschluchtwäldern geprägten einmaligen Kulturlandschaft mit einer Größe von 85.000 Hektar.
Qualitätssicherung und Fortentwicklung
„Bad Urach hat sich in den vergangenen 25 Jahren prächtig entfaltet“, sagt Kurdirektor Wolfgang Schütz, dennoch müsse auch die künftige Entwicklung weiter vorangetrieben werden. Er verweist auf die Modernisierung der Albthermen, die 2004 aus der Insolvenz gekauft werden konnten, auf die Erweiterung der Wohnmobilstellplätze an der Erms oder an die Ausweisung eines Nordic Walking Parks im Maisental, der größte in der Region. Viel Wert legt Schütz zudem auf die Qualitätssicherung innerhalb des Kur- und Fremdenverkehrsbetriebs: „Wir lassen uns deshalb auch von außen bewerten“. Als erster Ferienort in Süddeutschland und somit als erster in Baden Württemberg hat Bad Urach zum Beispiel vor zwei Jahren nach eingehenden Prüfungen die i - Marke des deutschen Tourismusverbandes als Qualitätssiegel verliehen bekommen.
Wirtschaftliche Auswirkungen
Nach einem deutlichen Rückgang der Auslastung bis 2003 verzeichnet Bad Urach seit fünf Jahren wieder steigende Tendenzen. Während die Zahl der Ankünfte gestiegen sei, habe sich die Dauer der Aufenthalte verkürzt, so Schütz. Zum einen würden die Krankenkassen meistens nur noch drei Wochen Kur genehmigen, zum anderen kämen viele Privatpersonen zu einem Kurzurlaub nach Bad Urach, um etwas für die Gesundheit zu tun. Um auf diese Bedürfnisse besser eingehen zu können, sind besondere Gesundheits- und Pauschalarrangements im Angebot.
Von der positiven Entwicklung des Kurorts profitieren auch die Einwohner. Der Verlust von Arbeitsplätzen in der einstmals von der Textilindustrie geprägten Region konnte durch den Gesundheitssektor und Kurbetrieb weitgehend kompensiert werden. Etwa 1400 Menschen sind heute in diesem Dienstleistungssektor beschäftigt.
175 Jahre lange touristische Tradition
Die touristischen Wurzeln von Bad Urach liegen noch länger als 25 Jahre zurück. Schon 1833 kamen die ersten Feriengäste in den damals noch kleinen Ort und seit mehr als 150 Jahren war zudem vermutet worden, dass sich im Gebiet rund um Urach hyperthermales Wasser befinden müsse. Aber erst 1969 wurde dieser Gedanke aufgegriffen und eine Ermstal-Bohrgesellschaft gegründet. Im Januar 1970 begannen die Bohrungen im damaligen Luftkurort Urach, im Mai des gleichen Jahres erschloss die Bohrmannschaft die Uracher Thermen. Sie wurde als Calcium-Natrium-Chlorid-Sulfat-Hydrogencarbonat-Thermal-Säuerling klassifiziert. Im März 1972 wurde der erste Bauabschnitt des Thermalbades eröffnet. 1975 erhielt Urach den Zusatz „Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb“ und nacheinander entstanden die wichtigsten Kureinrichtungen.