Geothermie: Ab Herbst wird wieder gebohrt

Gemeinderatssitzung als Auftakt für Bürgerinformation

Verschließen oder sinnvoll nutzen? Diese Frage stellte sich beim Thema der beiden Tiefbohrungen „Urach 3“ und „Urach 4“. Einst wurde versucht, im Hot-Dry-Rock-Verfahren Strom zu erzeugen. Da dieses Vorhaben aber wegen verschiedenen technischen Problemen fehlschlug, blieben die mehr als 3000 Meter beziehungsweise mehr als 4000 Meter tiefen Bohrungen seither ungenutzt.

Vom Bergbauamt wurde daher angeordnet, die beiden Löcher wieder komplett aufzufüllen und zu verschließen. „Das wäre für uns die denkbar schlechteste Lösung gewesen“, wie Bürgermeister Elmar Rebmann betont. Nach all dem Aufwand, der in den vergangenen Jahrzehnten getrieben worden sei, wäre es ziemlich ernüchternd gewesen, die Bohrungen einfach wieder aufzufüllen. „Das Verfüllen hätte uns etwa anderthalb Millionen Euro gekostet – für nichts und wieder nichts“, wie der Bürgermeister erläutert. Stattdessen habe man sich gemeinsam mit dem Gemeinderat und den Stadtwerken dazu entschlossen, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, um die beiden Bohrungen wenigstens in einer abgeschwächten Form zu nutzen. „Gerade in Zeiten, in denen jeder über Nachhaltigkeit und Klimaschutz redet, sollten wir eine solche natürliche und umweltschonende Energiequelle nicht einfach zuschütten“, so Rebmann weiter.         

Ab November dieses Jahres wird unter der Projektleitung der Bad Uracher Stadtwerke also wieder gebohrt. Mit den Bohrungen am Rande des Kurparks soll auch eine zusätzliche Thermalwasserquelle erschlossen werden, auf die im Falle eines Versiegens der momentan genutzten Quellen für das Thermalbad zurückgegriffen werden könnte. Neben der langfristigen Sicherung des Thermalwassers wird zudem eine hydrothermale Energiegewinnung durch die Tiefbohrungen „Urach 3“ und „Urach 4“ ermöglicht.  

Zunächst wird in den beiden bereits bestehenden Bohrungen jeweils ein Deckel in rund 1300 Metern Tiefe eingesetzt. Auf diesen Deckel wird dann eine 100 Meter starke Sandschicht aufgebracht. Auf diese Sandschicht kommt später eine rund 300 Meter hohe Zementfüllung. Die beiden ursprünglich viel tieferen Bohrlöcher werden dann also in einer Tiefe von 900 Metern verschlossen sein.    

In einem weiteren Arbeitsschritt wird dann in rund 630 Meter Tiefe ein Ablenkkeil, ein sogenannter Whipstock in die Löcher eingesetzt, durch den der nun zum Einsatz kommende Bohrkopf schräg in das Gestein gelenkt wird. Dieses ist notwendig, um die zementierten Wandungen der beiden bestehenden Bohrungen zu durchstoßen und wieder an das heiße Gestein heranzukommen. Diese schräge Bohrung wird dann auf etwa 750 Meter abgeteuft, wie es in der Bergmannssprache heißt. Dort beträgt die Temperatur rund 57 Grad Celsius.

Neben der Thermalwasser-Sicherung stünde somit im Idealfall eine nutzbare Wärmeleistung von etwa 3.360 kW zur Verfügung. Dies würde etwa der Jahreswärmemenge von 450 bis 550 Haushalten entsprechen.

Für die Arbeiten wird dort von November bis Ende März ein Bohrturm mit einer Höhe von zwölf  Metern stehen. Das Gestänge der 40 Tonnen schweren Anlage misst sechs Metern. Dies ist gleichzeitig auch die Höhe der rund 70 Meter langen Schallschutzwand, die am Bohrplatz aufgebaut wird. Dadurch werden die Schallimmissionsgrenzwerte von 60 Dezibel eingehalten, was in etwa dem Geräuschpegel eines vorüberfahrenden Autos entspricht. Um die Geräuschbelastung der Anwohner zusätzlich zu reduzieren, werden die Bohrzeiten von 7 bis 20 Uhr beschränkt sein.

Auch die Gefahr von Erschütterungen, die durch die Bohrungen ausgelöst werden könnten, ist minimal. Zum einen wurde an dieser Stelle bereits erschütterungsfrei in viel größere Tiefen gebohrt und zum anderen wird bei den aktuellen Bohrungen kein Fracking, also kein Aufpressen von Gesteinsschichten unter hohem Druck stattfinden. Erdstöße wie vor Jahren beim Basler Geothermieprojekt oder Gipskeuper-Quellungen wie in Staufen, sind also auch diesmal nahezu ausgeschlossen.       

Die Bohrarbeiten sind aber durchaus mit einem gewissen unternehmerischen und damit finanziellen Risiko behaftet, denn die Ergebnisse der Bad Uracher Tiefengeothermie waren in der Vergangenheit nicht immer positiv. Es gibt zwar eine hohe Wahrscheinlichkeit, aber letztlich doch keine Garantie, dass die aktuellen Bohrungen auch den gewünschten energetischen Erfolg erzielen werden, wie die leitende Ingenieursfirma HYDRODATA betont. 

Die Projektkosten belaufen sich auf insgesamt etwa 2 Millionen Euro. Die Stadt erhält hierfür einen Zuschuss aus dem Tourismusinfrastrukturprogramm des Landes in Höhe von 490 000 Euro für die Thermalwasser-Sicherung.

Eine Präsentation des Ingenieurbüros HYDRODATA können sie hier anschauen:

Die Anwohner des Bohrplatzes werden noch in separaten Schreiben informiert und mit dem Beginn der Bohrarbeiten wird es auch eine öffentliche Besichtigung des Bohrplatzes geben. Wer dennoch bereits jetzt Fragen zum Projekt hat, kann diese gerne stellen an info@bad-urach.de oder telefonisch an die Pressestelle der Stadt Bad Urach, Bernd Mall, Tel.: 07125-156 145.         

 

Geothermie3

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