Geothermie: Häufig gestellte Fragen

Im Folgenden finden Sie Antworten auf mögliche Fragen bzgl. des neuen Geothermieprojektes in Bad Urach:  

Warum wird wieder gebohrt?

In den 90er-Jahren wurde versucht, im Hot-Dry-Rock-Verfahren Strom zu erzeugen. Da dieses Vorhaben aber wegen verschiedenen technischen Problemen fehlschlug, blieben die mehr als 3000 Meter beziehungsweise mehr als 4000 Meter tiefen Bohrungen seither ungenutzt.

Vom Bergbauamt wurde daher angeordnet, die beiden Löcher wieder komplett aufzufüllen und zu verschließen. Nach all dem technischen und finanziellen Aufwand, der in den vergangenen Jahrzehnten getrieben worden ist, wäre es aber nicht nachhaltig gewesen, die Bohrungen einfach wieder aufzufüllen. Gerade in Zeiten, in denen viel über Klimaschutz geredet wird, hat sich die Verwaltung und der Gemeinderat daher dazu entschieden, diese natürliche und umweltschonende Energiequelle nicht einfach zuschütten, sondern so gut es geht weiter zu nutzen.

Mit den Bohrungen soll zudem eine zusätzliche Thermalwasserquelle erschlossen werden, auf die im Falle eines Versiegens der momentan genutzten Quellen für das Thermalbad zurückgegriffen werden könnte.      

 

Wo und wann wird gebohrt?

Gebohrt wird von November 2020 bis voraussichtlich Ende März 2021 am sogenannten „Bohrplatz“ unterhalt des Kurparks in Richtung Dettingen. Dort wurden in den 90er-Jahren bereits die beiden Tiefbohrungen „Urach 3“ und „Urach 4“ niedergebracht. Es wird also keine neuen Bohrungen geben, sondern es wird an den bestehenden Bohrlöchern gearbeitet.

 

Wie wird gebohrt und welche Arbeiten sind notwendig?

Zunächst wird in den beiden bereits bestehenden Bohrungen jeweils ein Deckel in rund 1300 Metern Tiefe eingesetzt. Auf diesen Deckel wird dann eine 100 Meter starke Sandschicht aufgebracht. Auf diese Sandschicht kommt später eine rund 300 Meter hohe Zementfüllung. Die beiden ursprünglich viel tieferen Bohrlöcher werden dann also in einer Tiefe von 900 Metern verschlossen sein.   

In einem weiteren Arbeitsschritt wird dann in rund 630 Meter Tiefe ein Ablenkkeil, ein sogenannter Whipstock in die Löcher eingesetzt, durch den der nun zum Einsatz kommende Bohrkopf schräg in das Gestein gelenkt wird. Dieses ist notwendig, um die zementierten Wandungen der beiden bestehenden Bohrungen zu durchstoßen und wieder an das heiße Gestein heranzukommen. Diese schräge Bohrung wird dann auf etwa 750 Meter abgeteuft, wie es in der Bergmannssprache heißt. 

Für die Arbeiten wird dort ein Bohrturm mit einer Höhe von 12 Metern stehen. Das Gestänge der 40 Tonnen schweren Anlage misst sechs Metern.

 

Entsteht während der Bohrung Lärm und wird die Nachtruhe eingehalten?

So hoch wie das Gestänge (ca. 6 Meter) wird auch eine rund 70 Meter langen Schallschutzwand sein, die am Bohrplatz aufgebaut wird. Dadurch werden die Schallimmissionsgrenzwerte von 60 Dezibel eingehalten, was in etwa dem Geräuschpegel eines vorüberfahrenden Autos entspricht. Um die Geräuschbelastung der Anwohner zusätzlich zu reduzieren werden die Bohrzeiten von 7 bis 20 Uhr beschränkt sein.

  

Ist während der Bohrungen mit Erschütterungen zu rechnen?

Die Gefahr von Erschütterungen, die durch die Bohrungen ausgelöst werden könnten ist minimal. Zum einen wurde an dieser Stelle bereits erschütterungsfrei in viel größere Tiefen gebohrt und zum anderen wird bei den aktuellen Bohrungen kein Fracking, also kein Aufpressen von Gesteinsschichten unter hohem Druck stattfinden. Erdstöße wie vor Jahren beim Basler Geothermieprojekt oder Gipskeuper-Quellungen wie in Staufen, sind also auch diesmal nahezu ausgeschlossen. Schäden an Gebäuden sind durch die Bohrungen nicht zu erwarten.

 

Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

In 750 Metern Tiefe beträgt die Temperatur rund 57 Grad Celsius. Neben der Thermalwasser-Sicherung stünde somit im Idealfall eine nutzbare Wärmeleistung von etwa 3.360 kW/h zur Verfügung. Dies würde etwa der Jahreswärmemenge von 450 bis 550 Haushalten entsprechen. Die Bohrarbeiten sind aber durchaus mit einem gewissen unternehmerischen und damit finanziellen Risiko behaftet. Es gibt zwar eine hohe Wahrscheinlichkeit, aber letztlich keine Garantie, dass die aktuellen Bohrungen auch den gewünschten energetischen Erfolg erzielen werden.

   

Was kosten das Vorhaben?

Die Projektkosten belaufen sich auf insgesamt etwa 2 Millionen Euro. Die Stadt erhält aus dem Tourismusinfrastrukturprogramm des Landes einen Zuschuss in Höhe von 490 000 Euro für die Thermalwasser-Sicherung. Es gilt aber noch zu bedenken, dass die geforderte Verfüllung der Bohrlöcher alleine schon rund 1,5 Millionen gekostet hätte, ohne dass man davon irgendeinen Nutzen gehabt hätte. 

Praktische Infos

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