Historie

Die Entstehung des Feuerwehrwesens

Ein Großteil der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet, so auch die Feuerwehr Bad Urach, die 1859 gegründet worden ist. Ihre Entstehung kann im Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung des Feuerlöschwesens im 19. Jahrhunderts in Deutschland betrachtet werden. Hier nun ein kleiner Rückblick auf die Feuerwehrgeschichte dieser Zeit.

Bereits Ende des Mittelalters gab es Feuerlöschordnungen, die aber nur für die einzelnen Gemeinden bestand hatten, in diesen wurde jeder Bürger zum Feuerlöschwesen verpflichtet. Dieses ist aber nicht die Grundlage des Deutschen Feuerwehrwesens. Vielmehr sind dieses die Feuerwehren die im ersten Drittel des 19 Jahrhunderts gegründet wurden.

Das Vorbild für die ersten deutschen Feuerwehren kommt aus Frankreich. Das Feuerlöschwesen dort reicht bis in die Anfänge des 19 Jahrhunderts zurück und dieses mit einem für diese Zeit besonders hohen Standard. Das Französische Feuerlöschwesen entwickelte sich aus der 1705 in Paris gegründeten privaten Löschanstalt des Dumourrier-Duperrier, die königliche Privilegien besaß.

Im Jahre 1811 entstand auf Befehl Napoleons aus dieser Einheit das militärisch organisierte Sapeur-Pompier-Bataillon, das 1821 in die französische Armee eingegliedert wurde. Diese Einheit hatte eine besonders hohe Schlagkraft, diese wohl auf die militärischen Strukturen zurück zu führen ist. Das französische Feuerwehrwesen war einheitlich aufgebaut, da für alle Sapeur-Pompier Einheiten in Frankreich die Bestimmungen des Pariser SapeurPompier Bataillons verbindlich waren und somit ein zu dieser Zeit sehr hoher Standard erreicht wurde.

Im Jahre 1845 gab es die erste Ausgabe des Handbuchs für das Französische Feuerlöschwesen, geschrieben vom Pariser Commandant Paulin. Dieses wurde nach mehreren Jahren auch ins Deutsche übersetzt und beeinflusste maßgebend das Feuerwehrwesen in Deutschland.

Ein Beispiel dafür ist die militärische Ordnung, oder die Tatsache das die Feuerwehrleute Schutzkleidung zu tragen hatte. Auch die Namensgebung einige der ersten deutschen Feuerwehren lehnten sich an die Nachbarn aus Frankreich an, hier sei als Beispiel das Pompier Corps Durlach genannt, das 1846 gegründet wurde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Napoleon, der sich 1804 zum Kaiser krönen ließ, der Herrscher auf dem Kontinent. Preußen und Österreich waren aufgrund der verlorenen Koalitionskriege durch Bündnisse an Frankreich gebunden.

In jener Zeit entwickelten sich in Deutschland erstmals revolutionäre Gedanken nach Freiheit und Gleichheit. Es entstand die Idee nach einem deutschen Nationalstaat. Im Juni 1811 richtete der Lehrer Friedrich Jahn (1778 – 1852) auf der Hasenheide in Berlin den ersten Turnplatz ein und legte damit den Grundstein für die Turnbewegung in Deutschland.

Neben der körperlichen Ertüchtigung verfolgten die Turner auch politische Ziele. Die Turnbewegung war demokratisch organisiert. Sie war für alle Stände zugänglich, strebte nach einem geeinten Deutschland und trat für ein Volksheer ein, mit dem Gefahren von innen und außen abgewendet werden sollten.

 Es stand fest, dass sich Preußen nur von der Herrschaft Napoleons mit der Unterstützung des Volkes - also eines Volksheeres befreien konnte.

Deshalb wurde in Preußen, das trotz der Bindung an Frankreich selbstständig geblieben war, die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Da die Turnbewegung für ein Volksheer war, erhielt Friedrich Jahn trotz gegensätzlicher politischer Ziele in dieser Zeit die Zustimmung von König Friedrich Wilhelm III. 

Im Jahr 1813 kam es schließlich zu der erwarteten Volkserhebung gegen Napoleon. In der Völkerschlacht bei Leipzig wurden die Franzosen von den verbündeten Preußen, Russen, Engländern, Österreichern und Schweden geschlagen. In der Folge brach Napoleons Reich auseinander. Ab 1815 begann in Europa die Zeit der Restauration.

Die damaligen Machthaber wollten alle Dynastien wiedereinsetzen, die Napoleon abgesetzt hatte. Der Reformkurs in Preußen war vorerst gestoppt. Als Folge wurde 1819 ein Turnverbot verhängt. Im Untergrund blieb die Turnbewegung allerdings weiter bestehen. 1842 wurde das Turnverbot wieder aufgehoben. Da der Deutsche Bund zu dieser Zeit durch keinen Feind von außen bedroht wurde, setzten sich die Turner nun für die Erhaltung der inneren Sicherheit ein.

Wie eingangs schon erwähnt gab es zwar vielerorts aufgrund von Feuerordnungen ein eigentlich geordnetes Löschwesen, da es allerdings einen niedrigen Standard hatte, engagierten sich die Turner besonders im Brandschutz.

Aufgrund der besonderen Motivation und der militärischen Organisationsform waren die Turner- Feuerwehren deutlich besser als diejenigen Mannschaften, deren Mitglieder zum Brandschutz verpflichtet worden waren.  Die Notwendigkeit der Freiwilligen Feuerwehren wurde nicht mehr bezweifelt. Zu dieser Erkenntnis hat der Hamburger Brand vom 5. -8.Mai 1842 beigetragen. Dabei wurden 2/3 der Hansestadt (75 Straßen mit 4219 Häusern und 3 Kirchen) zerstört. Das Feuer konnte sich damals in Hamburg deshalb so ausbreiten, da man das Feuer nicht wirkungsvoll bekämpfen konnte. 1847 kam es zu einer weiteren Katastrophe, die für die Entwicklung des deutschen Feuerwehrwesens eine Schlüsselfunktion hatte.

Am 28. Februar brach im Theater in Karlsruhe während einer Vorstellung ein Feuer aus, das sich schnell ausbreitete. Die Löschmannschaften der Stadt Karlsruhe waren nicht in der Lage, das Feuer zu löschen. So wurde das oben schon erwähnte „Pompier-Corps Durlach“ um Hilfe gebeten.

Zu den Ausrüstungsgegenständen des Pompier-Corps Durlach gehörte übrigens eine Spritze von Carl Metz. Obwohl das Durlacher Corps relativ klein war, konnte es aufgrund der militärischen Organisation und der guten Zusammenarbeit den Brand unter Kontrolle bekommen.

Genauso wie das Großfeuer in Hamburg erregte auch der Theaterbrand in Karlsruhe damals großes Aufsehen. Während der Brand in Hamburg deutlich gemacht hatte, welche Zerstörungskraft ein Feuer haben kann, wurde in Karlsruhe eine Möglichkeit präsentiert, wie man ein Feuer wirkungsvoll bekämpfen kann.

In der Folgezeit besuchten Delegationen aus ganz Deutschland das Durlacher Pompier Corps, um sich über eine wirkungsvolle Brandbekämpfung zu informieren. In der Folgezeit entstanden viele Freiwillige Feuerwehren, darunter auch 1859 die Feuerwehr Bad Urach.

Auch hier war zuerst, wie oben erwähnt, die Turngemeinde ausschlaggebende Kraft, 1848 wurde durch die Turngemeinde eine Feuerlöschrotte gebildet, die aber durch interne Zerwürfnisse im Turnverein sich wieder auflöste. Im Jahre 1859 war es dann der damalige Ratschreiber und spätere Stadtschultheiß Seubert der eine Gründung der Feuerwehr in die Hand nahm. 35 Bürger erklärten sich damals zum Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr bereit und wählten Seubert zu ihrem Kommandanten.

Am 22 April 1860 fand die erste Übung der Freiwilligen Feuerwehr Bad Urach statt. Im Jahre 1920 zwei Jahre nach dem ersten Weltkrieg, wurde damit begonnen, die Weckerlinie aufzubauen, 1928 wurde die Einheitsausbildung eingeführt. Die ersten Motorisierten Geräte und Fahrzeuge folgten 1929 und 1931 sowie der Beschaffung der Kraftfahrspritze Magirus mit einer Leistung von 1.500 l/min von der Firma Kolb & Schüle.

Chronik der ersten 100 Jahre der Feuerwehr Bad Urach

Den ersten Anstoß zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr gab in Jahre 1848 die Turngemeinde, diese Wehr hatte allerdings nur wenige Jahre Bestand.

Die eigentliche Gründung der Feuerwehr Bad Urach ist daher erst auf das Jahr 1859 zurück zu führen, ab dieser Gründung gab es eine stetige und nie mehr unterbrochene Entwicklung der Wehr.

Am 16. September 1859 vollzog Ratschreiber Seubert, als treibende Kraft, mit einigen gleichgesinnten Kameraden die Gründung. Er selbst wurde erster Kommandant und blieb dies bis in Jahre 1893. Zusätzlich war Friedrich Seubert von 1876 bis 1895 Stadtschultheiß der alten Oberamtsstadt Urach, noch heute erinnert die Seubertstraße an ihn.

Die erste Übung fand mit den 35 Kameraden am 22. April 1860 am alten Werkhaus statt. Die Wehr wuchs schnell, 1862 traten 22 Mann des neu gegründeten Turnvereins der Feuerwehr bei und weiter 38 aus der Bürgerwehr. Beim 25-Jährigen bestehen, das 1884 festliche gefeiert wurden betrug die Stärke der Feuerwehr Urach 180 Mann, zusätzlich war noch eine Pflichtfeuerwehr angegliedert mit einer Stärke von ca. 300 Mann.

Ein neuer Abschnitt in Löschwesen der Feuerwehr Urach war 1888, als die erste Hochdruckwasserleitung in Urach eingerichtet wurde. Sofort wurde ein eigene Hydrantenabteilung geschaffen, zusätzlich wurde eine Krankenträgerkolonne eingegliedert.

Als Schultheiß und Kommandant Seubert im Jahre 1893 das Kommando der Wehr abgab, stand diese für damalige Verhältnisse auf einem erstaunlichen Niveau. Nachfolger wurde Heinrich Graser, der dieses Amt bis ins Jahr 1900 begleitete, dann aber aus gesundheitlichen Gründen wieder abdanken musste.

Von 1900 bis 1905 wurde Schuhfabrikant Friedrich Wirsum gewählt, danach führte Stadtbaumeister Albert Vatter bis ins Jahr 1919 das Kommando an.

In dieser Zeit gab es folgende Grundlegende Umstellungen:

1899 wurde die Wehr komplett umorganisiert und in eine rein Freiwillige Feuerwehr umgestellt.

1903 Anschaffung einer Mechanischen Vier-Rad-Leiter mit 16 Meter Höhe.

1905 Gründung einer Sanitätsabteilung unter der Führung von Friseurmeister Streicher.

1912 Anschaffung einer Mechanischen Zwei-Rad-Leiter mit 12 Metern Höhe.

Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, wurde ein Großteil der Mannschaft zum Kriegsdienst eingezogen. Um die Schlagkraft der Feuerwehr zu erhalten wurden die älteren Jahrgänge in die Feuerwehr eingezogen, es entstanden zwei Löschzüge mit gesamt 66 Mann.

7 Mann der eingezogenen 70 Mann kehrten aus dem Felde nicht mehr zurück.

1919 übergab Kommandant Vatter sein Amt an Stadtbaumeister Georg Schnitzler weiter, dieser blieb bis 1947 an der Spitze der Wehr. Mit den aus dem Krieg zurück gekehrten Kameraden wurde sofort begonnen die Wehr wiederaufzubauen. 1920 konnte mit einer besonders ausgebildeten Mannschaft die neu installierten Weckerlinie in Betrieb genommen werden.

1922 veranlasste die Spinnerei Kolb & Schüle, nach einem Großbrand, eine eigene Fabrikfeuerwehr zu gründen, als Ausstattung stand der Fabrikfeuerwehr eine eigene Kraftfahrspritze zu Verfügung. Diese wurde darüber hinaus verpflichtet auch bei Bränden außerhalb des Betriebsgeländes der Uracher Feuerwehr tatkräftig zur Seite zu stehen.

1929 genehmigte der Gemeinderat die Anschaffung einer Kleinmotorspritze.

1930/31 wurde die Firma Kolb&Schüle stillgelegt, das brachte die Gefahr, dass die dort stationierte Kraftfahrspritze der Stadt und dem Bezirk verloren ging. Durch Bemühungen von Bürgermeister Gerstenmaier und Landrat Kreeb gelang es, das Gerät für die Uracher Feuerwehr zu erwerben.

1934 wurde das 75-Jährige Jubiläum feierlich angegangen.

1939 mit Beginn des zweiten Weltkriegs wurde wieder ein Großteil des Ausgebildeten Personals zum Wehrdienst eingezogen. Man behalf sich mit der Gründung einer Jugendfeuerwehr in der 25 Jugendliche unter der Leitung von Richard Berner ausgebildet wurden. Doch als auch diese 25 Jungs zur Wehrmacht eingezogen wurden zerbrach die Jugendfeuerwehr wieder.

Während des Krieges musste die Uracher Wehr mehrfach ins Umland zu Einsätzen, zum Beispiel nach Stuttgart nach Großfliegerangriffen.

Am 15 Januar 1945 wurde dann Urach selber zum Ziel alliierter Luftangriffe, es sollte der schwerste und härteste Einsatz in der Geschichte der Feuerwehr werden.

Zum größten Teil wurde die Straßen und Gebäude von der Altstadt aus Stadt abwärts getroffen. 231 Häuser wurden in Mitleidenschaft gezogen, das Schwimmbad und das Schulhaus vernichtet, 27 Wohnhäuser und 23 Nebengebäude völlig zerstört. Kameraden aus Münsingen, Ehingen, Nürtingen, Hülben, Grabenstetten und Sirchingen kamen zur Hilfe in die Stadt.

Der letzte Einsatz war dann am Freitag, also 4 Tage nach der Bombardierung abgearbeitet. Elf Menschen verloren bei diesem Angriff ihr Leben.

Nach dem Krieg, bei dem zehn Kameraden fielen und weiter acht vermisst wurden, meldete sich der Rest der Heimkehrer wieder bei der Wehr. Die Besatzungsmächte verlangten eine Reduzierung auf 40 Mann, dieses machte größere Einschnitte notwendig.

Im Jahre 1947 gab Stadtbaumeister Schnitzler sein Amt als Kommandant an den Werkmeister Adolf Friedrich weiter.

1949 wurde ein LF 16 angeschafft, 1956 wurde eine DL 25 und 1959 ein TLF 16 in Dienst gestellt.

1959 Übergab Adolf Friedrich wegen Krankheit seinen Platz an den neuen Kommandanten Robert Lang.

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