Fluthilfe für Hönningen

Am 14. Juli brach über die Verbandsgemeinde Altenahr eine Flutkatastrophe herein, die in Deutschland bis dato nahezu unvorstellbar war. Viele Menschen starben oder werden noch vermisst, Häuser entlang der Ahr wurden mitgerissen, Brücken, Straßen und Eisenbahnlinien zerstört. Eine Katastrophe die nicht nur Altenahr, sondern ganze Landstriche in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bis ins Mark erschütterte. Von Anfang an mitten im schrecklichen Geschehen: die Freiwillige Feuerwehr Altenahr.

Bei der Überführung des neuen Fahrzeugs der Abteilung Apfelstetten kamen wir auf die Idee unser bisheriges Reservefahrzeug, ein Tragkraftspritzenfahrzeug aus dem Jahr 1986, nach Altenahr zu spenden. Das Fahrzeug hat zwar ein stolzes Alter, ist aber noch voll einsatzfähig.

Nach etlichen Telefonaten mit dem Kreisbrandmeister, Kräften der Feuerwehr Reutlingen und einer Kontaktperson der Berufsfeuerwehr Freiburg wurde uns mitgeteilt, dass der Kommandant der Feuerwehr Hönningen dringend ein Einsatzfahrzeug benötigt.

Durch unseren engen Kontakt zur Feuerwehr Bad-Urach folgte ein Anruf von Wolfgang Dörner der erzählte, dass ein Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 aus dem Jahr 1992 ebenfalls ins Katastrophengebiet gespendet werden könnte.

Am Mittwoch den 04.08.2021 war es dann soweit. Um 06:00 Uhr setzen sich die Fahrzeuge in das knapp 400 Kilometer entfernte Hönningen in Bewegung. Um 11:30 erreichten wir den Ort Ahrbrück. Außer einigen Einsatz- und Baufahrzeugen welche uns auf dem Weg begegneten konnte bis dahin nicht erahnt werden welches Bild der Zerstörung uns gleich erwarten würde. Auf dem Weg von Ahrbrück nach Hönningen zeigte sich das volle Ausmaß der Flutkatastrophe. Zerstörte Häuser, kaputte Brücken und Berge an Schutt türmten sich neben der Straße auf. Ein Bild welches vor Ort noch viel schlimmer wirkt, als es aus den Medien zu entnehmen ist.

In Hönningen angekommen wurden wir vom Wehrführer Bernd Alisch und drei weiteren Kameraden bereits erwartet. Der Wehrführer berichtete uns in einem sehr emotionalen Gespräch von den ersten Tagen nach der Flutkatastrophe. Er erzählte uns von eingeschlossenen Kindern in Kindergärten, Familienmitgliedern die ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben und von dem Moment der völligen Erschöpfung und Hilflosigkeit. Bei diesem Gespräch zeigte sich wie belastend die Situation sowohl psychisch als auch physisch für die Kameraden vor Ort ist.

Bernd Alisch hat in den ersten sieben Tagen nach der Flutkatastrophe insgesamt 14 Stunden geschlafen und musste zwischendurch sogar operiert werden, weil er sich im Einsatz einen Muskel- und Sehnenriss im Arm zugezogen hatte.

Die Gemeinde Hönningen selbst ist mit einem blauen Auge davongekommen, da der Ort oberhalb der Ahr liegt. Aber 3 Wochen nach der Flut gibt es immer noch kein fließendes Wasser und die Feuerwehr ist nach wie vor im Dauereinsatz.

Durch die zerstörte Infrastruktur besteht aktuell keine Möglichkeit den Grundschutz der Gemeinde sicher zu stellen, da die Feuerwehr Hönningen nur über ein Tragkaftspritzenfahrzeug ohne Wassertank verfügt. Der Wehrführer erzählte uns, dass im Zusammenhang mit dem Stromausfall und dem nicht vorhandenen Löschwasser ein beginnender Dachstuhlbrand mit einer Kübelspritze und Feuerlöschern bekämpft werden musste.

Die gebrauchten Einsatzfahrzeuge aus Bad-Urach und Münsingen bieten nun die Möglichkeit den Grundschutz der Gemeinde wieder sicherzustellen. Das Löschwasser kann für den Erstangriff direkt aus dem Fahrzeug von Bad-Urach entnommen werden. Durch die zweite Tragkraftspritze des Münsinger Fahrzeugs kann bei Bedarf Löschwasser aus der Ahr in den Ort gefördert werden.Da im Einsatz viele Ausrüstungsgegenstände der Feuerwehr Hönningen sprichwörtlich „verpufft“ sind, wurden die Fahrzeuge aus Bad-Urach und Münsingen mit nahezu der kompletten Normbeladung gespendet.

Nach einer kurzen Einweisung durch unsere Gerätewarte Thomas Müller und Philipp Löw verabschiedeten wir uns von den anwesenden Kameraden. Auch wenn es nur ein kurzes Treffen war, spürten wir sofort ein Gefühl von enormer Dankbarkeit und Freundschaft.

Wir sind froh und stolz, dass die Fahrzeuge noch eine sinnvolle Verwendung bekommen und in Hönningen bei Bernd Alisch und seinen Kameraden an der richtigen Stelle gelandet sind.

Um 13:30 Uhr starteten wir mit dem Mannschaftstransportwagen wieder in Richtung Heimat. Durch einen LKW Brand auf der BAB 6 bei Sinsheim kam es zu einer Vollsperrung welche vier Stunden andauerte. Um 22:30 Uhr war der MTW wieder einsatzbereit in Münsingen zurück.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten, vor allem bei der Stadtverwaltung Bad-Urach und Münsingen für die schnelle und unkomplizierte Unterstützung.

Wir wünschen den Kameraden der Verbandsgemeinde Altenahr weiterhin viel Kraft und hoffen, dass alle Einsatzkräfte wieder gesund zu Ihren Familien zurückkehren.

Einer für alle, alle für einen!

Bericht: Feuerwehr Münsingen

 

227617155_4531773520207453_1060334121727171640_n
231309865_4519827898027466_3207161254619666267_n
231677315_4519827914694131_5784867542285608498_n
230717900_4519827904694132_550678733879406274_n

Praktische Infos